Universität Konstanz, Informatik


Interdisziplinäre Vortragsreihe:

Visualisierung von Sozialen Netzwerken

Sommersemster 1997

Im Rahmen des interdiziplinären Projekts Visualisierung von Sozialen Netzwerken, an dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fakultät für Mathematik und Informatik und der Fakultät für Verwaltungswissenschaft beteiligt sind, findet in der zweiten Hälfte des Sommersemesters 1997 eine Vortragsreihe zu dafür relevanten Themen statt.

Soziale Netzwerke sind graphentheoretische Modelle für die Beziehungen zwischen sozialen Akteuren. Die Reihe gab einen Überblick über die Bedeutung ihrer Visualisierung und über die dabei enstehenden Aufgaben, Grundlagen und Methoden aus verschiedenen fachlichen Perspektiven. Mit

  • Prof. Dr. Michael Kaufmann (Universität Tübingen) am 10.6.97,
  • Prof. Dr. Martin Krampen (Universität Ulm) am 11.6.97,
  • Prof. David Knoke (University of Minnesota, Minneapolis) am 24.6.97,
  • Dr. Lothar Krempel (MPI für Gesellschaftsforschung, Köln) am 1.7.97 und
  • Prof. Dr. Rudolf Wille (Technische Hochschule Darmstadt) am 8.7.97
  • konnten hervorragende Wissenschaftler verschiedenster Fachgebiete für einen Vortrag in Konstanz gewonnen werden. Sie haben folgende Vorträge gehalten:
    Dienstag, 10.6.97, 16:15 Uhr, Raum F 426
    Prof. Dr. Michael Kaufmann (Universität Tübingen)
    Modelle und Ansätze für effizientes orthogonales Zeichnen von Graphen

    Orthogonales Zeichnen ist wohl die mit am weitest verbreitete Art, Graphen zu visualisieren. Wie gewöhnlich besteht auch hier eine grosse Kluft zwischen den Vorstellungen der Anwender und dem algorithmisch effizient Machbaren. Insbesondere die Wahl des richtigen Modells ist entscheidend für den Erfolg eines Algorithmus gemessen an der Zufriedenheit des Anwerders. In dem Vortrag wird an mehreren Beispielen gezeigt, wie die Kluft in letzter Zeit zumindest teilweise überbrückt werden konnte. Dabei werden die Themen `Zeichnen von Graphen mit hohem Grad' und `Zeichnen von sich von Zeit zu Zeit ändernden Graphen' betrachtet.
    Mittwoch, 11.6.97, 16:15 Uhr, Raum F 423
    Prof. Dr. Martin Krampen (Universität Ulm)
    Zur Semiotik der Visualisierung von Beziehungsdaten

    Optimale Visualisierung von numerischen Beziehungsdaten beruht auf einer Abgleichung der Anzahl, des Umfangs und des Meßniveaus der Untersuchungsvariablen mit der Anzahl, dem Umfang und dem Meßniveau der graphischen Variablen.
    Dienstag, 24.6.97, 16:15 Uhr, Raum P 603
    Prof. David Knoke (University of Minnesota, Minneapolis)
    Visualizing Policy Networks

    Organizations that try to influence public policymaking in democratic nations often exchange information and public support, creating complex interorganizational networks that can be represented as social-spatial diagrams in multidimensional space. In turn, location in central or peripheral network positions can affect both organizations' reputations and their participation in national legislative events. Some results from a recent study of the labor policy domains in the U.S., Germany, and Japan are discussed.

    David Knoke is a professor of sociology at the University of Minnesota in Minneapolis. His current research concerns organizational networks and the changing employment contract.
    Dienstag, 1.7.97, 16:15 Uhr, Raum P 603
    Dr. Lothar Krempel (MPI für Gesellschaftsforschung, Köln)
    Elemente und Strategien zur Visualisierung bewerteter Graphen und deren Anwendung bei der Analyse von Welthandelsdaten

    Selbst dort, wo geeignete Informationen zur Verfügung stehen, bleibt die Analyse komplexer Strukturen eine methodologische Herausforderung. Elaborierte statistische Verfahren liefern oft sehr spezielle Resultate, die nur schwer kommunizierbar sind, da eine analytische Gesamtperspektive fehlt.
    Visualisierungen versuchen dagegen derartige Kontexte sichtbar zu machen. Neben der Lokalisation der Untersuchungselemente in der Bildstruktur ist die Integration von Knoten und Kantenattributen ein wichtiger Schritt, spezifische Strukturkonfigurationen zu identifizieren.
    Dienstag, 8.7.97, 16:15 Uhr, Raum F 426
    Prof. Dr. Rudolf Wille (Technische Hochschule Darmstadt)
    Begriffliche Wissenslandschaften - ein pragmatisches Paradigma fuer die Wissensverarbeitung

    Wissen, das aus Sicht des Peirceschen Pragmatismus verstanden wird, läßt sich auf fruchtbare Weise durch die Landschaftsmetapher aktivieren. Das soll im Vortrag ausgeführt werden an begrifflichen Wissenslandschaften, die mit Methoden der Formalen Begriffanalyse entwickelt worden sind. Dazu werden unterschiedliche Aufgaben der Wissensverarbeitung diskutiert wie das Erkunden, Suchen, Erkennen, Klassieren, Analysieren, Untersuchen, Entscheiden, Verbessern, Restrukturieren und Memorieren. Zu diesen Aufgaben werden konkrete Anwendungsbeispiele vorgestellt, an denen die Fruchtbarkeit des Landschaftsparadigmas fuer die Wissensverarbeitung demonstriert werden kann. In den meisten dieser Anwendungsbeispiele werden die realen Sachverhalte in Begrifflichen Datensystemen formal erfasst, was die Implementation durch das Programmsystem TOSCANA ermöglicht.


    Ulrik Brandes, 4.6.1997